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BeitragVerfasst: 17.06.2013 13:33 
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A Kind Of Magic
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DVD: Code Red (USA)



Slithis (USA 1978, Originaltitel: Spawn of the Slithis)

Monsterhunger

An der kalifornischen Küste werden verstümmelte Hundekadaver gefunden. Wayne Connors (Alan Blanchard) zeigt Interesse an den seltsamen Vorfällen, während ihn sein Job als Lehrer zunehmend anödet. Wenig später verlieren Menschen auf grausame Weise ihr Leben. Wayne stellt auf eigene Faust Ermittlungen an, findet schwach radioaktiven Schlamm und einen verstörten Augenzeugen. Entsteigt nachts ein Monster den Fluten des Pazifik? Freilich zeigt der zuständige Gesetzeshüter wenig Begeisterung für Waynes Theorie, doch die erschreckende Wahrheit soll weitere Opfer fordern ...

"Slithis" bedient sich bei den Monsterfilmen der fünfziger Jahre, jeder Monsterfan erinnert sich gern an "Schrecken vom Amazonas" (Creature from the Black Lagoon, 1954) von Altmeister Jack Arnold. Angenehmerweise streift "Slithis" jeglichen Muff der biederen Fünfziger ab, kann nie das Jahrzehnt seiner Schöpfung leugnen, die goldenen und wilden siebziger Jahre! Gleich zu Beginn nimmt mich die seltsam trostlose Stimmung der runtergekommenen Küstensiedlung gefangen, in der vorzugsweise abgerissene Gestalten in dunkeln Ecken abhängen. Suff bietet keinen zuverlässigen Schutz vor Monsterzugriffen, Alkohol ist folglich kein Ausweg, Vietnam keine gültige Ausrede. An Humor mangelt es nicht, so wurde der Gattin des Helden der klangvolle Vorname "Jeff" verpasst, Besuche auf dem Polizeirevier fühlen sich nach Freakshow an, immer wieder sorgen schräge Dialoge für Schmunzler. Rund 86 Minuten Spieldauer kommen nicht ohne Füllmaterial aus, welches jedoch keine Langweile verbreitet, vielmehr für weitere Lacher beschert. So schleppt ein schäbiger Kerl eine junge Göre ab, man fühlt sich ins Vorspiel eines Softpornos versetzt. Zur Handlung trägt das ungleiche Paar nichts bei, dient lediglich als Futter fürs Monsterchen. Zuvor taucht Irgendwann ein entstellter Wissenschaftler auf und flüstert bedeutungsschwangere Dialoge, nur um ohne weitere Beteiligung in der Versenkung zu verschwinden. In all diesem Geschwurbel dürfen Erklärungsversuche für die Entstehung und den Antrieb des Geschöpfs nicht fehlen, Stephen Traxler haut uns völlig abstruse Theorien um die Ohren, mein Sofa bebte vor Freude!

Alan Blanchard gefällt in der Rolle des neugierigen Lehrers, der wenig Lust verspürt als Etap­pen­schweinpädagoge auf den Ruhestand zu hoffen. Judy Motulsky gibt die hübsche Gattin, darf hier und da die Umtriebe ihres Angetrauten hinterfragen. J.C. Claire sorgt für den unvermeidbaren Wissenschaftler, Dr. John gehört zu den freundlichen Vertretern seiner Zunft. Mello Alexandria schließt sich als mutiger Fischer den Monsterjägern an, John Hatfield bleibt als versoffener Tagedieb in Erinnerung. Fraglos ist das Ungeheuer der wahre Star dieser Sause, geifert im ansprechend gestalteten Monster Suit durchs Szenario.

Mir gefällt die dreiste Sorglosigkeit der Macher! Bei Bedarf wird der Stoff per sinnfreier Füllmasse gestreckt, überdies plagt sich die Story nicht mit dem Bremsklotz namens Logik, herrlich, Radioaktivität macht alles möglich. Unfug und Schmuddel halten den Stoff zusammen, stellenweise großartig, oft wundervoll schräg und zu jeder Sekunde liebenswert. Nüchtern betrachtet macht "Slithis" wenig richtig, unterhält aber auf allen Ebenen vorzüglich. Zumindest wenn der Zuschauer den Siebzigern zugeneigt ist, Monster und haltlosen Schabernack ins Herz geschlossen hat. Lob verdient auch die DVD von Code Red, das Label präsentiert den Flick in stimmungsvoller Verfassung, im Bonusbereich sind diverse Trailer zu finden. Momentan ist die Scheibe im Labelshop wieder erhältlich, schaut bei http://www.codereddvd.com rein, es lohnt sich.

7/10 (gut)


Lieblingszitat:

"... these cards don't give you the right to break into a private residence."
Ich bin zwar ein Radikaler, aber mehr noch bin ich ein Lüstling! (Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance)


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BeitragVerfasst: 26.06.2013 12:10 
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Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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Derrick Collectors Box 10 (Folge 136-150)



Folge 145 - Schonzeit für Mörder? (Deutschland 1986)

Trümmerfeld des toten Tyrannen

Dr. Arnold Bothe wird schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Zufälligerweise befindet sich Derrick dort gerade zu einer Untersuchung, Stephan plagt die Wirbelsäule. Flugs eilt er zum Sterbenden, kann jedoch lediglich einen Blick in dessen aufgerissene Augen werfen. Bei ihren Ermittlungen treffen Stephan und Harry auf ein merkwürdiges Familiengefüge und die schrullige Haushälterin des Opfers. Offenbar waren alle nahe Verwandten von Dr. Bothe abhängig, der seine Überlegenheit gern und rücksichtslos auslebte. Verdächtig vor allem die junge Ehefrau des Getöteten und dessen Sohn, Helene Bothe (Lena Stolze) und Eberhard Bothe (Christoph Waltz) haben seit einiger Zeit ein Verhältnis ...

Lena Stolze überzeugt mit ihrer Darstellung der zerbrechlichen Witwe, Christoph Waltz mutet zunehmend psychotisch an, überspannt den Bogen jedoch nicht, so gerät Eberhard Bothe nicht zur Karikatur. Horst Bollmann gibt den Bruder des Toten nicht minder überzeugend, lässt sich ausführlich über die Stärke seines Herren aus, suhlt sich in eigener Schwäche. Sein Sohn wird von Volker Lechtenbrink zum Besten gegeben, Ralf Bothe ist ein mittelprächtiger Pianist, neigt zu philoposhischen Anwandlungen mit zynischer Schlagseite. Lechtenbrinks Vorstellung lässt mich nicht los, ist seine Darbietung großartig oder dilettantisch? Ab und zu taucht Hilde Volk als überforderte Haushälterin auf, versteckt sich hinter ihrem kratzbürstigen Schutzwall. Zu Beginn hat Horst Naumann herrliche Szenen mit Horst Tappert. Unser Stephan lässt sich nur widerwillig untersuchen, zeigt sich als ungeduldiger Patient, bewahrt dennoch die Contenance, unverschämter Stumpfsinn ist bekanntlich nicht seine Sache.

Was macht die Herrschaft eines unangreifbaren Familienoberhaupts mit seinen Schäfchen? Sie suchen sich Nischen zur Flucht, geben sich mit der eigenen Mittelprächtigkeit zufrieden, wagen es nicht aufzubegehren. Schlimmer noch, sie werden eventuell zu unkontrollierten Angstbeißern, vielleicht nur für einen kurzen Moment, fraglos mit fatalen Folgen. Nicht immer ist der Tod das Ende, auch nach seinem gewaltsamen Ableben wirkt die Kraft des Toten, treibt einen seiner Schützlinge in den Wahn. Ja, es ist eine oft gedroschene Phrase, aber einmal mehr ist Blut ist dicker als Wasser, bitter und gnadenlos schlägt das Finale zu. Kein Befreiungsschlag möglich, zu mächtig hängt der Schatten des Alleinherrschers über allen Angehörigen. Kurz blickt die Kamera in die Augen des Opfers, Derrick und den Zuschauer lässt dieser Blick nicht los. Was ist dort zu sehen? Finale Erkenntnis des Schreckens? Klarheit den Bogen überspannt zu haben? Tobender Höllensog? Eberhard Schoener unterlegt die Geschehen mit stimmungsvoller Klangmalerei, hier und da scheint eine Nähe zu Angelo Badalamenti zu bestehen.

7/10 (gut)
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BeitragVerfasst: 27.06.2013 23:14 
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BD+DVD Combo: Shout! Factory (USA)



Death Valley (USA 1982, Originaltitel: Death Valley)

Geschlitze im Tal des Todes

Billy (Peter Billingsley) leidet unter der Trennung seiner Eltern. In seiner Heimatstadt New York verabschiedet sich der kleine Junge tränenreich vom geliebten Vater (Edward Herrmann), fliegt wenig später mit seiner Mutter Sally (Catherine Hicks) in den Südwesten der USA. Während eines gemeinsamen Urlaubs soll Billy sich an Mike (Paul Le Mat) gewöhnen, Jugendliebe und neuer Lebensgefährte der Mutter. Für den kleinen Jungen keine leichte Aufgabe, ebenso eine Herausforderung für Mike und Sally. Beim Spaziergang durch die Wüste entdeckt Billy ein Wohnmobil, offenbar sind die Reisenden nicht anwesend, heimlich lässt der Eindringling eine goldene Kette samt Änhänger verschwinden. Kurz zuvor wurden drei junge Leute grausam im Camper abgeschlachtet, doch Mike, Sally und Billy verlassen den Ort ohne Kenntnis dieser fürchterlichen Vorfälle. Nach kurzer Rast geht die Reise weiter, man trifft auf eine gesicherte Unfallstelle, das zuvor von Billy betretene Wohnmobil liegt nun ausgebrannt neben der Landstrasse. Schon nagt das schlechte Gewissen an Billy, voller Reue übergibt er dem Sheriff (Wilford Brimley) die entwendete Kette, inklusive Mitteilung einer wichtigen Beobachtung. Während sich die Urlauber dem Vergnügen hingeben wollen, bringen weitere Ermittlungen nicht nur den Sheriff in akute Lebensgefahr ...

"Death Valley" reitet zwar auf der "Früh-Achtziger-Slasherwelle" mit, präsentiert aber in mancherlei Hinsicht durchaus eigenständig und erfrischend. Hier wird kein Campus zum Spielplatz des Killers, kein Maskenmann jagt bekiffte Teenies durch den finsteren Wald. Zu Beginn mutet der Streifen nach Scheidungsdrama an. Rührselige Szenen stellen uns Billy vor, ein kluger Junge, dennoch hilflos und traurig über das Zerwürfnis der Eltern. Diesen Faden nimmt man immer wieder auf, Billy lässt den neuen Mann an Mutters Seite gern auflaufen, Mike bemüht sich recht geduldig um die Zuneigung des Kindes. Meist bleibt die Kamera recht nah an den Darstellern, die weitläufige Landschaft dient lediglich als unaufdringliches Umfeld. Spannung und Härte bewegen sich in gemäßigten Bahnen, das durchweg gut aufgelegte Ensemble trägt den Film ohne wüste Exzesse durch kurzweilige 88 Minuten. Regisseur Dick Richards hat keine allzu umfassende Filmographie vorzuweisen, inszeniert gleichwohl mit entspannter Routine, kann sich ohne Ausnahme auf seine Mitstreiter vor und hinter der Kamera verlassen.

Kinder in Filmen, manchmal ein schwieriges Thema. "Death Valley" stellt zu allem Überfluß einen kleinen Jungen mit Hang zur Klugscheißerei in den Mittelpunkt, bringt überdies das Thema Scheidung ins Spiel. Keine allzu guten Vorzeichen für einen gelungenen Filmabend? Gern gebe ich Entwarnung, schnell gewöhnt man sich nicht nur an Billy, nach und nach wächst einem der kleine Bursche sogar ein wenig ans Herz. Peter Billingsley spielt erstaunlich gut, bringt die Trauer über den Verlust des bisherigen Umfelds überzeugend rüber, bereits erwähnte Besserwisserei mag ich Billy kaum anlasten, unter Druck mutiert er nicht zum Superboy, insgesamt angenehm, lobenswert und irgendwie putzig. Catherine Hicks ist jedem Horrorfan bekannt, sie wurde einige Jahre später von Chucky drangsaliert, war dort erneut als besorgte Mutter eines kleinen Jungen zu sehen. Sally gefällt mir gut, sie meistert den schwierigen Spagat zwischen Sohn und Lover erstaunlich, baut beiden Seiten immer wieder goldene Brücken. Paul Le Mat kommt folglich nicht als fieser Stiefvateranwärter daher, Mike ist der freundliche Durchschittstyp für den mittelgroßen Hunger. Als Bösewicht(e) bekommen wir es mit Stephen McHattie zu tun, einem vielbeschäftigter Schauspieler mit markanten Gesichtszügen, im Finale darf er für einige Minuten auf die Pauke hauen, zuvor sorgt er für leichte Gruselschauer. Positiv fällt auch Wilford Brimley auf, er gibt den knuffigen Sheriff, bricht das Klischee vom faulen und widerlichen Dorfbullen auf. Ihr wollt den hässlichsten Babysitter aller Zeiten sehen, obendrein verfressen, aufgedunsen und grenzdebil? Mary Steelsmith dürfte vermutlich unschlagbar sein, herrlich! Damit sind die wichtigsten Akteure genannt, freut euch auf ein sympathisches Trüppchen.

"Death Valley" ist kein Überflieger, bietet dem Genrefan jedoch gute und erfrischende Unterhaltung. Wer sich mit Slashern sonst schwer tut, darf in diesem Fall gern einen Blick riskieren. Zusammenfassend ein kurzweilig erzählter, ansprechend photographierter und überdurchschnittlich gut besetzer Streifen, der auf seinem standfesten Gerüst mit geschätzten Schablonen spielt, dabei teils erstaunlich weit über den Tellerrand blickt. Kleine Jungs mit Brille und seltsamer Frisur ... müssen nicht zwangsläufig nervige Kackbratzen sein. Wieder was gelernt, vielen Dank dafür!

Mir liegt die BD+DVD Combo aus den USA vor, beide Scheiben kommen mit Regionalcode daher. Auf Blu-ray erstrahlt "Death Valley" in sehr schöner Qualität, im Bonusbereich ist eine kleine Auswahl von Trailern zu finden. Ferner befindet sich ein Audiokommentar mit Regisseur Dick Richards an Bord, gute Veröffentlichung eines guten Films. Bisher liegt das Werk in Deutschland lediglich auf einem gekürzten Tape vor. Vielleicht kümmert sich irgendwann ein einheimisches Label um den Flick, mir ist leider nichts davon bekannt, ergo empfehle ich die importierte Version, geeignete Abspielgerätschaften vorausgesetzt.

7/10 (gut)


Lieblingszitat:

"Behind the sofa, quick."
Ich bin zwar ein Radikaler, aber mehr noch bin ich ein Lüstling! (Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance)


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BeitragVerfasst: 03.07.2013 11:09 
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Die Monster Uni...im Kino...

Schöner lustiger Film!
Make a brand new start!!

*** 04.10.2008 Hannover *** 07.10.2008 Rotterdam ***

"move it your fuckers, comon"


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BeitragVerfasst: 17.07.2013 10:51 
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DVD: Subkultur Entertainment



Die Entfesselten (Frankreich, Italien 1975, Originaltitel: L'agression)

Rache, Wahnsinn und sonstige Irrtümer?

Paul Varlin (Jean-Louis Trintignant) ist mit Gattin Hélène (Michèle Grellier) und Tochter Patty (Delphine Boffy) auf dem Weg in den Urlaub. Auf einer Autobahnraststätte kommt es zu einem kleinen Zwischenfall mit drei Motorradfahrern. Wenig später entdeckt der Familienvater die Biker im Rückspiegel, es folgt eine gefährliche Auseinandersetzung bei hohem Tempo. Schließlich landet die Familie mit ihrem PKW auf einem Feld abseits der Autobahn, Paul liefert sich eine wüste Prügelei mit den erneut auftauchenden Typen und wird bewusstlos geschlagen. Kaum ist der Geprügelte wieder halbwegs auf den Beinen, erblickt er ein Bild des Grauens, Hélène und Patty leben nicht mehr! Zur Beerdigung ihrer Schwester reist Sarah (Catherine Deneuve) an, gelangweilte Ehefrau und kantiger Witwer kommen sich körperlich nahe. Derweil gehen die polizeilichen Ermittlungen nur schleppend vorwärts, Paul wird zunehmend von Rachegelüsten ergriffen ...

Regisseur Gérard Pirès präsentiert uns ein Werk abseits üblicher Rachethriller und/oder Bikermovies. Protagonist Paul Varlin erhebt sich nicht als aufrechter Bürger über den mit Abschaum gefüllten Sumpf, vielmehr bekommen wir es mit einem aufbrausenden Hasardeur zu tun, klare Grenzen zwischen Gut und Böse lösen sich auf. Unerbittlich dreht sich die Spirale, fieser Twist inklusive, die blutige Abrechnung scheint nicht mehr aufhaltbar, glücklicherweise sind Franzosen oft für Überraschungen gut. Auf den ersten Blick mag das Finale zu brav angelegt sein, doch diese gegen aufgebaute Erwartungshaltungen gebürstete Marschrichtung, soll sich letztlich als mutig und konsequent erweisen. Ich möchte nicht zu viel verraten, wende mich daher umgehend den zentralen Charakteren zu.

Jean-Louis Trintignant bricht das Klischee des präzisen Selbstjustizlers auf. Nein, ein wortkarger und zielstrebiger Racheengel ist Paul Varlin keineswegs, vielleicht eine Art Gegenentwurf. Varlin pöbelt mit Vorliebe, verliert schnell die Beherrschung, vögelt nach dem gewaltsamen Tod seiner Gattin deren Schwester. Mit Trintignant hat man die Hauptrolle grandios besetzt, hier wird kein strahlender Held oder höschenbefeuchtender Sexgott benötigt. Catherine Deneuve gibt die frustrierte Hausfrau auf der Suche nach Abenteuern, der gewaltsame Tod von Schwester und Nichte schrumpft zur Nebensache. Auf der Suche nach Liebe, Lust und Aufmerksamkeit, vordergründig symbolisiert ein Wechsel der Frisur Veränderung, den Willen zum Glück und den Aufbruch in eine bessere Zukunft. Deneuve und Trintignant prallen aufeinander, ineinander, bleiben gemeinsam einsam, Antworten gibt das Finale nicht, an Fingerzeigen mangelt es jedoch keineswegs. In der wichtigsten Nebenrolle sehen wir Claude Brasseur als André Ducatel. Jener Ducatel arbeitet als Kellner, bringt eine herrlich schmierig-schleimige Aura ins Spiel, Brasseur ist für mich der wahre Star des Streifens, daran ändern auch die starken Vorstellungen von Trintignant und Deneuve nichts. André Ducatel verdient den Preis "Schmierlappen des Monats", für Freunde schräger Schweinepriester eine wahre Wonne. Philippe Brigaud gefällt als Gesetzeshüter, während Franco Fabrizi eine weitere Schippe Lustmolch ins Spiel bringt.

Harsche Dialoge sind kein Problem, gar erwünscht? Dann freut euch auf ein kleines Feuerwerk rüder Sprüche und Beschimpfungen, die wilden Siebziger in Bestform! "Die Entfesselten" hat noch mehr zu bieten, so nötigt mir die jederzeit stimmungsvolle Kameraarbeit Respekt ab. Auf das unerwartete Ende habe ich bereits hingewiesen, lasst euch überraschen! Rache mag oft Blutwurst sein, diesmal kommt sie in Form von Schweinskopfsülze mit doppelter Portion Gelee aus der Hüfte. Auf besondere Weise schmackhaft, die Saat geht in Mund, Magen, Herz und Hirn auf, ergo schlucke ich altes Luder allzu gern.

Subkultur Entertainment bietet "L'agression" in schöner Qualität an, auf Wunsch mit dem alternativen Ende der deutschen Kinofassung. Obendrauf gibt es eine Bildergalerie, hinzu kommt ein Booklet mit Anmerkungen von Marcus Stiglegger. Fast hätte ich das Wendecover für Spielkinder unterschlagen. Tolle Veröffentlichung eines prächtigen Films, vielen Dank dafür! Kaufzwang, ist doch klar!

Dicke 7,5/10 (gut bis sehr gut). Sammelwürdigkeit der DVD: 10/10!


Lieblingszitat:

"Die Frau ist bezaubernd. Die Frau ist göttlich. Die Frau ist ein Mirakel. Sie liebt den Schwanz! Das sind die nackten Tatsachen, mein Lieber!"
Ich bin zwar ein Radikaler, aber mehr noch bin ich ein Lüstling! (Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance)


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BeitragVerfasst: 19.07.2013 11:03 
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• Dracula braucht frisches Blut (Großbritannien 1973) - Erneut treffen Dracula (Christopher Lee) und Professor Van Helsing (Peter Cushing) aufeinander. Doch diesmal will der Blutsauger mehr als den Lebenssaft junger Damen, bedroht die Existenz der gesamten Menschheit ...

Ich liebe dieses Spätwerk aus dem Hause Hammer abgöttisch, ergo war meine Freude über eine offizielle Veröffentlichung riesig. Unfassbarerweise ist die deutsche DVD eine bodenlose Frechheit. Ich bin kein Qualitätsfanatiker, aber was hier abgeliefert wurde, unglaublich!

Klar, erneut ziehe feiste 9/10 (überragend) für den Streifen, die DVD kann ich leider nicht empfehlen. Bleibt die Hoffung auf eine britische Auswertung in angemessener Verfassung.



• Serial Mom (USA 1993) - John Waters nimmt die kleinbürgerliche Idylle des braven Durchschnittsbürgers aufs Korn, der schwarze Humor dieser Prachtsause treibt mir Lachtränen über die Wangen. Kathleen Turner war nie besser!

Endlich eine brauchbare Scheibe, zwar bietet die BD von Universal keinerlei Boni, macht aber mit schöner Qualität Freude. Das Bildformat der Kinofassung wird auf einschlägigen Webseiten mit 1,66:1 angegeben, auf der Blu-ray befindet sich der Film jedoch im Format 1,85:1. Allerdings halte ich die Angabe 1,66:1 für fragwürdig, da es sich um ein hauptsächlich in Europa verwendetes Seitenverhältnis handelt. Ich halte nicht viel von nachträglich "angepassten" Auswertungen, hier scheint jedoch tatsächlich das korrekte Bildformat zum Einsatz zu kommen, ich kann die Scheibe mit gutem Gewissen empfehlen.

9/10 (überragend)
Ich bin zwar ein Radikaler, aber mehr noch bin ich ein Lüstling! (Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance)


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BeitragVerfasst: 22.07.2013 12:32 
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Die Fortsetzung der "Mega-Derrick-Sause"

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Derrick Collectors Box 10 (Folge 136-150)



Folge 146 - Die Rolle seines Lebens (Deutschland 1986)

Stephan auf dem Spielplatz der Schablonen und Kulissen

Martin Theimer (Franz Boehm) war einst ein erfolgreicher Schauspieler, doch Alkoholsucht sorgte für das vorzeitige Ende seiner Karriere. Inzwischen ist Theimer trocken, will erneut im Filmgeschäft Fuß fassen. Mehr noch, eine neue Produktion steht kurz vor Drehbeginn, vermutlich die große Chance auf ein Comeback, scheint der Hauptcharakter doch wie für Theimer auf den Leib geschneidert. Leider hat man die Hauptrolle bereits vergeben, obschon Regisseur Robby Bracht (Peter Bongartz) mit seinem Star Mischa Kranz (Karl-Heinz Vosgerau) nicht allzu glücklich ist. Theimer bittet den Kon­kur­rent um Überlassung der Rolle, dieser nimmt die Anfrage des Kollegen jedoch nicht ernst. Wenig später wird Mischa Kranz tot aufgefunden ...

Stolz verkündet die Straßenbahn ihre Fahrtrichtung, einmal mehr führt uns die Krimireihe nach Grünwald. Diesmal nicht hinter die dicken Wände herrschaftlicher Villen, es zieht uns in den Ortsteil Geiselgasteig, in die Kulissen der Bavaria Filmstadt. Dort treffen wir auf schablonenhafte Charaktere, überraschendes wird nicht geboten, gleichwohl überwiegend solides Schauspiel. Franz Boehm trägt stets eine Spur zu dick auf, so soll wohl keinem Zuschauer die Tragik des großen Künstlers entgehen. Letztlich mehr Schein als sein, daher durchaus nicht ohne unterschwellige Schlitzohrigkeit angelegt, gar nicht so dumm, lieber Herr Reinecker. Sonja Sutter sehen wir als loyale und überfürsorgliche Gattin, Roswitha Schreiner taucht als verstörtes Töchterlein auf. Ja, eine vom Leben gebeutelte Familie, präsentiert per Holzhammer. Peter Bongartz gibt sich als Regisseur sensibler als Erich Hallhuber, der in die Form des glatten Produzenten gepresst wurde. Karl-Heinz Vosgerau darf vor seinem Serientod den Filmstar geben, freilich mit dem Hang zur großen Geste ohne Inhalt, garniert mit Arroganz. Heini Göbel taucht als freundlicher Fahrer auf, Pierre Franckh sehen wir an Roswitha Schreiners Seite, erwartungsgemäß neurotisch anmutend. Bemerkenswert Edwin Noël, er bricht als Journalist Helmut Bossner die Klischees auf, zeigt Herz und Hirn.

Horst Tappert überstrahlt alle Mitwirkenden um Längen. Humorvoll begegnet Stephan Derrick dem schönen Schein der Filmwelt, löst den Kriminalfall nebenbei, sanfter Druck und etwas Geduld reichen völlig aus. Einige herrliche Dialoge sorgen für Schmunzler, ich möchte nichts verraten, überzeugt euch selbst. Harry taucht lediglich als Randnotiz auf, der Stephan macht das schon, auch ohne Wadenbeißer in der Hinterhand. Mittelprächtiger Kriminalfall, Charaktere in abgegriffene Raster gestopft, dazu typischer Duvall Sound in die Suppe gerührt, unaufgeregt von Alfred Weidenmann inszeniert. So bleibt lediglich gepflegte Langeweile? Nein, denn diese Schablonen besitzen Unterhaltungswert, vor allem hält ein souveräner Horst Tappert alles zusammen, meine Verehrung ist ihm auf ewig sicher.

6,5/10 (oberste Mittelklasse)
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BeitragVerfasst: 25.07.2013 10:05 
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• Massenmord in San Francisco (USA 1973) - In einem Bus wird ein fürchterliches Blutbad angerichtet, Sergeant Jake Martin (Walter Matthau) übernimmt die Ermittlungen ...

Stuart Rosenbergs Inszenierung pendelt zunächst zwischen reißerisch und nüchtern, entschliesst sich für die ruhigere Marschrichtung, gewürzt mit teils bissigem Humor und ständig übel gestimmten Protagonisten. Neben Walther Matthau steigen u. a. Bruce Dern und Louis Gossett Jr. ins Geschehen ein. Hanse Sound kommt mit einer soliden BD aus der Kiste, kein Vergleich zum unfassbaren "Dracula braucht frisches Blut" Desaster. Empfohlen für Freunde des Polizeifilms.

6,5/10 (oberste Mittelklasse)



• The Grey - Unter Wölfen (USA 2012) - Liam Neeson -und ein paar andere Gestalten- überleben den Absturz ihres Fliegers, müssen sich irgendwo in Alaska mit zornigen Wölfen plagen. Ein Kampf auf Leben und Tod nimmt unbarmherzig seinen Lauf ...

Neeson und seine Mitstreiter füllen routiniert ihre Schablonen aus, eingebettet in packende Momente und prächtige Landschaft. Mir gefallen die teils körnigen Bilder sehr gut, so hebt sich der Streifen von glatten Hochglanzprodukten ab. Kein Überflieger, aber solide Unterhaltung, die BD gibt es zum kleinen Preis.

6/10 (obere Mittelklasse)
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BeitragVerfasst: 31.07.2013 12:30 
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DVD: New Entertainment World (Kleine Hartbox, Cover A)



Die Mühle der versteinerten Frauen (Italien, Frankreich 1960, Originaltitel: Il mulino delle donne di pietra)

Massenmord statt Mehl? Tod in Technicolor!

Hans van Harnim (Pierre Brice) soll Aufzeichnungen über eine ungewöhnliche Mühle anfertigen. In diesem alten Bauwerk befinden sich zahlreiche Statuen, die Ausstellung zieht immer wieder zahlreiche Besucher in die Mühle. Zwar begrüßt Mühleneigentümer Professor Gregorius Wahl (Herbert A.E. Böhme) den Neuankömmling nicht allzu herzlich, aber immerhin kann Hans sich sofort an die Arbeit machen. Liselotte (Dany Carrel) hofft auf baldige Vermählung mit ihrem Hans, ergo passt die wunderschöne Tochter Professor Wahls nicht in ihren Plan, denn offenbar zeigt sich Hans zunehmend von Elfie (Scilla Gabel) fasziniert. Tatsächlich kommen sich Hans und Elfie näher, drohendes Unheil nimmt den jungen Mann gefangen, er stürzt in einen Taumel zwischen Realität und Wahn. Welche Rolle spielt der eifersüchtige Dr. Bolem (Wolfgang Preiss), der unverhohlen um Elfies Zuneigung buhlt? Wer kann der Mühle ihr schreckliches Geheimnis entreißen, dem tödlichen Treiben endgültig Einhalt gebieten ...???

Regisseur Giorgio Ferroni beeindruckte mich nachhaltig mit dem meisterlichen Gruselstreifen "La notte dei diavoli" (Night of the devils, 1972). Zu Beginn der sechziger Jahre inszenierte er mit "Die Mühle der versteinerten Frauen" einen ebenfalls bemerkenswerten Film, von Pier Ludovico Pavoni wunderschön fotographiert. Langsam dreht sich die Spirale auf, nimmt der ruhige Erzählfluss mich mehr und mehr gefangen. In der zweiten Hälfte ziehen Tempo und Spannung deutlich an, überdies entfaltet sich die herrliche Gothic Horror Atmosphäre nun vollständig. Prächtige Ausstattung und Kulissen sorgen für Begeisterung, darüber soll aber nicht das starke Ensemble vergessen werden!

Freilich denkt beim Namen Pierre Brice jeder Leser sofort an dessen Paraderolle Winnetou, oft wird der Franzose auf seine Darbietungen im Karl May Kosmos reduziert. Schade, denn hier stellt er durchaus eindrucksvoll unter Beweis, dass er auch abseits der Pseudo-Prärie zu überzeugen vermag. Brice zeigt uns Hans van Harnim als sympathischen Jungspund, meistert auch schwierige Momente ohne Fehl und Tadel. Herbert A.E. Böhme übertreibt bei seiner Darstellung des Professor Wahl hemmungslos, seine Auftritte verleihen dem Treiben einen Hauch Theaterbühne. Wolfgang Preiss gibt den kantig-kühlen Gehilfen, heissblütig beim Anblick der von ihm verehrten Elfie. Pünktlich zum Finale bricht der Mad Scientist hervor, remember Dr. Mabuse? Großartig die Auseinandersetzung zwischen Wahl und Bolem, gezeichnet von gegenseitiger Verachtung, Zorn und blankem Hass! Gothic Horror, da dürfen schöne Frauen nicht fehlen! Welche Dame setzt sich hier in der Disziplin Schönste der Schönen durch? Ich bin noch unentschlossen, tendiere zu Liana Orfei (in einer Nebenrolle zu sehen). Beeindruckend Scilla Gabel, viel mehr als lediglich hübsches Beiwerk, sie zeigt uns Elfie nicht nur als leidendes Schätzchen, packt mich vor allem mit erschreckend psychotischen und kaltherzigen Auswüchsen. Für Dany Carrel bleibt dementgegen nur der Part des braven Liebchens, obschon gefesselt zu reizvollen Einblicken gezwungen.

Vielleicht kommt "Die Mühle der versteinerten Frauen" auf den ersten Blick etwas unscheinbar daher. Lässt man sich allerdings wirklich auf den Film ein, winkt ein prächtiges Gothic Grusel Erlebnis als prächtige Belohnung. Stilsicher gewählte Kulissen/Ausstattung, grandiose Kameraarbeit, punktgenaue Inszenierung und ein starkes Ensemble, wohlige Gruselschauer runden das feurige Finale ab. Ein Film für Einsteiger oder Fortgeschrittene? Ein Werk für aufmerksame Einsteiger und erfahrene Genießer!

NEW präsentiert uns eine brauchbare DVD, diverse Sprachoptionen und eine überschaubare Dosis Bonusmaterial stehen zur Verfügung. Ursprünglich wurden drei unterschiedliche Motive ausgeliefert, verteilt auf zwei kleine und eine große Hartbox. Wer sich nach einer anderen Ausgabe umschauen möchte, sollte auf dem internationalen Markt Alternativen (ohne deutsche Synchronisation) finden.

7/10 (gut)


Lieblingszitat:

"Hier sind die Damen schon öfter in Ohnmacht gefallen. Das kenne ich."
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BeitragVerfasst: 01.08.2013 11:11 
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DVD: Motion Picture (kleine Hartbox #6)



Der Mann auf dem Dach (Schweden 1976, Originaltitel: Mannen på taket)

Grauer Alltag?

Mord im Krankenhaus! Nyman, ein älterer Polizist, wird auf bestialische Art getötet, das Krankenzimmer gleicht einem Schlachthaus. Kommissar Martin Beck (Carl-Gustaf Lindstedt) übernimmt die Ermittlungen, allem Anschein nach war das Mordopfer im Kreis der Kollegen alles andere als unumstritten. Während Beck und seine Mitarbeiter dem Täter auf die Spur kommen, bahnt sich in Stockholm bereits die nächste Katastrophe an ...

Längst haben Kriminalfilme aus Skandinavien den Markt überflutet, oft sind deutsche TV-Sender an der Produktion beteiligt. Lange vor dieser Welle entstand Bo Widerbergs "Der Mann auf dem Dach", Widerberg zeichnet für Regie und Drehbuch verantwortlich. Während zum Auftakt noch mit bedeutungsschwangeren Elementen gearbeitet wird, wir sehen die Sil­hou­et­te einer Person, hören eine Uhr ticken, betrachten schmucklose Opening credits, baut der Film später auf einen nüchternen -fast dokumentarisch anmutenden- Stil. Zuvor gipfeln die ersten Minuten jedoch in einer harschen Gewaltszene, deren Spannungsaufbau und Entladung jedem Horrorstreifen bestens zu Gesicht stehen würde. Nach knapp fünf Minuten stürzen wir in den Feierabend des Protagonisten, Beck versucht sich am Bau eines Schiffsmodells. Auffällig der nahezu vollständige Verzicht auf Bilder von Landschaften und/oder Städten zur Erzeugung von Atmosphäre, stets bleibt die Kamera nah an den Akteuren, irgendwo zwischen pseudo-dokumentarisch und sanft-voyeuristisch. Mutig und konsequent, fraglos eine gute Entscheidung, noch hat der harte Alltag Beck und dessen Umfeld nicht vollständig ausgebrannt, jedoch tiefe Spuren hinterlassen, bleibt unauslöschbar eingebrannt.

Carl-Gustaf Lindstedt verhilft Beck nicht nur zu einem Gesicht mit Charakter, er beherrscht feine Zwischentöne und legt den Ermittler nie als Übermensch an. Sehr gut gefällt mir Håkan Serner als Einar Rönn, hinter der müden Fassade steckt ein cleverer Ermittler mit Humor, Lindstedt und Serner haben gemeinsam großartige Szenen. Sven Wollter und Thomas Hellberg hinterlassen auf der Zielgeraden ihre Duftmarken. Wollter eilt Beck zu Hilfe, begibt sich als Lennart Kollberg in Lebensgefahr. Hellberg sehen wir als vorlauten Polizisten Gunvald Larsson, der unter Druck zunehmend präzise und klug agiert. Gewissermaßen Gegenpol zu Einsatzleiter Malm (Torgny Anderberg), welcher in erster Linie Disziplin einfordert, mit der brenzligen Situation immer weniger klarkommt, schliesslich als Häufchen Elend durchs Bild stolpert.

Bo Widerberg bleibt dem gewählten Stil treu. Das Finale ersteckt sich über rund 45 Minuten, Schusswechsel verkommen nie zum inhaltlosen Selbstzweck, sogar der dramatische Absturz eines Hubschraubers passt perfekt ins Bild. Beck will das Ruder per Einzelaktion übernehmen, landet hart und schmerzhaft auf dem Boden der Realität, hoch über den Bürgersteigen der Stadt. Sogar in den letzten Sekunden widersetzt sich Widerberg einem einfachen und eindeutigen Ausweg, lässt Gunvald Larsson den Anker der Vernunft werfen, stösst damit vermutlich die Erwartungshaltung vieler Zuschauer in den Abgrund. Seit Jahrzehnten bereichern Filme mein Leben, erfüllen meine kleine Welt mit Liebe, Lust und Leidenschaft. Wie gut es sich anfühlt, auch nach so vielen Jahren immer wieder neue Perlen zu entdecken, bisher unentdeckte Schätze zu heben. Nachdem ich in der vergangenen Nacht die Gerätschaften in den Schlaf versetzt hatte, ließen mich die Gedanken an das vorherige Filmerlebnis nicht los.

Großes Lob verdient die DVD aus dem Hause Motion Picture. "Der Mann auf dem Dach" wird in grandioser Qualität angeboten, der Ton liegt in deutscher und schwedischer Sprache vor, deutsche Untertitel auf Wunsch zuschaltbar, im Bonusbereich sind prächtige Trailer zu anderen Titel des Labels zu bewundern. Hier gibt es nicht nur eine klare Kaufempfehlung, hier herrscht unvermeidbarer Kaufzwang!

Zunächst ziehe ich dicke 8,5/10 (sehr gut bis überragend)! Die Scheibe wird mit Sicherheit bald erneut im Player landen, ich freue ich darauf!


Lieblingszitat:

"Unsere Neuen haben vor ihm große Angst gehabt."
Ich bin zwar ein Radikaler, aber mehr noch bin ich ein Lüstling! (Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance)


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BeitragVerfasst: 02.08.2013 09:48 
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• Extreme Justice (USA 1993) - Eine kleine Spezialeinheit der Polizei geht mit fragwürdigen Methoden gegen Gesetzesbrecher vor, inoffiziell von den Oberen der Stadt gewünscht und toleriert. Jeff Powers (Lou Diamond Phillips) gilt als schwieriger Bulle, daher hält ihn Dan Vaughn (Scott Glenn) für die perfekte Ergänzung der Einheit. Bald kann Jeff die menschenverachtende Vorgehensweise seiner neuen Kollegen nicht mehr ertragen ...

Hach, ich mag Lou Diamond Phillips. Zwar irgendwie immer eine Fehlbesetzung, aber ein echter Typ. Scott Glenn gewohnt zuverlässig, Yaphet Kotto mal wieder herrlich irre. Insgesamt eine sehr erfreuliche Veröffentlichung aus dem Hause filmArt, vielen Dank!

6,5/10



• Messias des Bösen (USA 1973) - Arletty (Marianna Hill) begibt sich auf die Suche nach ihrem Vater. Offenbar hat dieser in einem kleinen Nest residiert, ist nun jedoch nicht mehr auffindbar. Was geht in der kleinen Ortschaft vor, welch erschreckende Wahrheit lauert auf die junge Frau ...???

Teils liebenswert schrulliger und kantiger Horrorflick, die Sause hat sich einen tiefen Atemzug späte Sechziger gegönnt. Post-psychedelischer Stoff für aufgeschlossene Freunde etwas abseitiger Horrorunterhaltung.

6/10



• Bruce Lee - Der Unbesiegte (Taiwan 1981) - Eastern von der Stange mit Bruce Lee Clone Bruce Li. Freilich mit reichlich Fratzengeballer, dazu eine Hintergrundgeschichte im Filmgeschäft, inklusive schleimiger und schmieriger Typen, Versicherungsbetrug und Freundschaft.

Bruce Li ist in der Hauptrolle zu sehen, wird überdies als Regisseur und Produzent angegeben. Bruceploitation für Nimmersatte, die deutsche Synchronisation hat einige Brüller zu bieten, kann die Form aber nicht über die gesamte Spieldauer halten. Die DVD von Motion Picture gefällt mit stimmungsvoller Qualität, als Bonus befindet sich die stark gekürzte Videofassung an Bord.

6,5/10
Ich bin zwar ein Radikaler, aber mehr noch bin ich ein Lüstling! (Lady Snowblood 2: Love Song of Vengeance)


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BeitragVerfasst: 07.08.2013 11:59 
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BD: Ascot Elite



Ein Teufelskerl (Australien, Neuseeland, USA 1981, Originaltitel: Race for the Yankee Zephyr)

Action & Abenteuer im familienfreundlichen Gewand

Barney (Ken Wahl) und Gibbie (Donald Pleasence) jagen Wild per Hubschrauber. Ihr Erfolg bleibt überschaubar, Barneys Helikopter gleicht einem Schrotthaufen, Gibbie schaut gern sehr tief in die Flasche. Zufällig entdeckt der alte Suffkopp eines Tages das Wrack der Yankee Zephyr, in den Wirren des 2. Weltkriegs war die Transportmaschine verschwunden. Zu seiner Freunde stößt Gibbie auf Alkohol, vor allem befinden sich jede Menge Orden, Geld und Gold an Bord des Flugzeugs. Leider streikt Barneys Hubschrauber, mit viel Überredungskunst kann Gibbie Töchterlein Sally (Lesley Ann Warren) zur Finanzspritze bewegen. Freilich bleibt der sensationelle Fund nicht lange Geheimnis des Trios, bald heften sich Ganove Theo Brown (George Peppard) und seine freundlichen Mitarbeiter an die Fersen unserer Helden ...

David Hemmings machte sich nicht nur als Schauspieler einen Namen ("Blow Up" (1966), "Profondo rosso" (1975)), er war überdies als Regisseur und Produzent aktiv. Mit "Ein Teufelskerl" präsentiert er uns einen kurzweiligen Mix aus Abenteuer, Action und Humor. Auf wüste Gewaltausbrüche oder schlüpfrige Momente wird verzichtet, diese Marschrichtung verhilft dem Streifen zu einer moderaten Altersfreigabe. Ich möchte von "familienfreundlich" sprechen, ausnahmsweise fungiert die Bezeichnung nicht als abschreckender Stempel. Nicht nur George Peppard weckt Erinnerungen an die TV-Serie "A-Team" (1983-87), auch hier wird viel (und überwiegend folgenlos) geballert, herrlich übertrieben und nach kreativen Lösungen gesucht. Gedreht wurde inmitten der prächtigen Landschaft Neuseelands, Vincent Monton fängt schöne Bilder ein, degradiert die Schauspieler jedoch nie zu Statisten.

In den achtziger Jahren hatte Ken Wahl stattliche Bekanntheit erlangt, aus der ganz großen Karriere wurde dennoch nichts. Als Barney kommt er unverbraucht und gut gelaunt daher, Mangel an Durchblick und Können wird durch Mut und Glück kompensiert. Donald Pleasence sehe ich immer gern, nicht nur -aber auch- wegen seiner unvergessenen Darbietung des Dr. Sam Loomis, ewiger Gegenspieler von Maskenmann Michael Myers (Halloween (1978) und diverse Fortsetzungen). Diesmal gibt Pleasence keinen Neurotiker am Rande des Wahnsinns, Gilbert "Gibbie" Carson ist ein liebenswerter und schrulliger Bursche, bei Bedarf durchaus mit Schlitzohrigkeit und Durchhaltevermögen ausgestattet. So liefert sich Gibbie mit allen wichtigen Figuren kleine und grössere Auseinandersetzungen, greift im Suff zur Kettensäge, treibt Obergauner Brown zur Weißglut. George Peppard verbinden vermutlich viele Zuschauer mit seiner Paraderolle Hannibal, dem Kopf des "A-Team", tatsächlich mutet Theo Brown wie eine Art böse Ausgabe dieses Charakters an, debiles Grinsen inklusive. Ständig drangsaliert er seine Schergen, oft von wenig Erfolg gekrönt, indessen ist Rückzug keine Option. Lesley Ann Warren fällt durch ausdrucksstarke Augen auf, zunächst widerspenstig und zickig, erliegt sie nach und dem Charme ihres Begleiters und Helden Barney, angenehmerweise bleiben uns allzu schmalzige Momente erspart. In Nebenrollen ballern, prügeln und pöbeln sich kantige Herren durchs Szenario, sorgen dank zunehmender Überforderung für einige Lacher.

Freut euch auf humorige Dialoge, unblutige Action in toller Abenteuerkulisse, liebenswerte Charaktere und ans Herz gewachsene Schauspieler. Fast hätte ich nicht auf die sehr sehenswerten Hubschrauberszenen hingewiesen, die Stuntpiloten leisten erstklassige Arbeit! Für den stimmungsvollen Soundtrack sorgte der australische Komponist Brian May.

Erst seit wenigen Wochen ist "Ein Teufelskerl" in Deutschland auf DVD und BD erhältlich, Ascot Elite veröffentlichte die ungekürzte Fassung, mir liegt die BD vor. Sieht man von den ersten rund neun Minuten ab (bis zum Ende der Opening credits), bietet die Scheibe den Film in schöner Qualität an. Für die ehemals entfallenen Szenen liegt keine deutsche Synchronisation vor, an diesen Stellen wird auf den englischen Originalton umgeschaltet, leider hat Ascot keine Untertitel anfertigen lassen. Daher drängt sich der Originalton auf, keine schlechte Option, doch die deutsche Fassung möchte ich als durchaus hörenswert bezeichnen, ergo ist die im Detail lieblose Auswertung ein wenig ärgerlich. Zugegben, der geringe Preis mag karge Ausstattung rechtfertigen, ich würde allerdings gern ein paar Taler mehr ausgeben, wenn ich dafür eine sorgfältiger erstellte Scheibe in den Händen halten darf.

7/10 (gut)


Lieblingszitat:

"Sie scheinen ein Mann unendlicher Wohltätigkeit zu sein!"
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BeitragVerfasst: 08.08.2013 11:43 
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• Emanuelle in America (Italien 1977) - Erneut begibt sich Journalistin und Fotografin Emanuelle (Laura Gemser) auf Reisen, entlarvt mutig und konsequent Doppelmoral und Perversion in Reihen der "Oberschicht". Ein Blick -nicht nur- in die Gemächer von Adel, Geldadel und Politik ...

Joe D'Amato setzt Laura Gemser -einmal mehr- gekonnt in Szene, schenkt dem Zuschauer zahlreiche sinnliche Momente. Für die unvermeidbare Dosis Schmuddel sorgt das Umfeld, hier und da verpasst D'Amato uns schmerzhafte Tiefschläge. Freut euch auf den prächtigen Mix aus "Gemser-Ästhetik", Knuffelschmuddel und abgründiger Fiesheit, sanft mit Humor und Träumereien abgeschmeckt. Zum Ausklang gibt es eine Prise "Post-Hippie-Love-and-Peace-Atmosphäre" zu bestaunen, der tatsächliche Schlußpunkt lässt die sanfte Blase zerplatzen. Ja, ich fahre total auf die Kombination D'Amato & Gemser ab, obschon der Vorgänger "Emanuelle in Bangkok" (Italien 1976, Originaltitel: Emanuelle nera: Orient reportage) mich noch intensiver zu packen und begeistern vermag.

In Deutschland wurde "Emanuelle in America" im Kino und auf Tape zunächst unter dem Titel "Black Emanuelle - Stunden wilder Lust" gezeigt, später ebenfalls als "Black Emanuelle in America" angeboten. Mir liegt eine DVD aus Italien vor, diese enthält die Integralfassung, inklusive kurzer HC-Einschübe (an denen Frau Gemser freilich nicht beteiligt war). Auf der Scheibe befindet sich u. a. die deutsche Synchronisation, jedoch in recht bescheidener Qualität. Weiterhin enthält das Set eine zweite DVD, ich werde mir das Bonusmaterial in den nächsten Tagen anschauen.

7/10 (gut)
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BeitragVerfasst: 09.08.2013 14:09 
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DVD: explosive media



Prime Cut - Die Professionals (USA 1972, Originaltitel: Prime Cut)

Würstchen aus Kansas

In Chicago werden die Gangsterbosse zunehmend ärgerlich! Mary Ann (Gene Hackman) schuldet dem Syndikat bereits eine halbe Million Dollar, denkt jedoch nicht daran einen einzigen Cent zu berappen. Mehr noch, er sendet den letzten Geldeintreiber per Post zurück, verarbeitet zu Mettgut und in Würstchenpelle gepresst. Nun baut man auf die Dienste von Nick Devlin (Lee Marvin), mit ein paar Helferlein macht er sich auf den Weg nach Kansas. Dort betreibt Mary Ann einen Schlachthof, verkauft überdies junge Mädchen und Drogen. Nick befreit Poppy (Sissy Spacek) aus den Fängen seines Gegenspielers, kein geeignetes Mittel zur Entspannung der Gesamtsituation. Weder Platzhirsch noch Inkassobeauftragter können nachgeben, offenbar vermag nur noch der Griff zur groben Kelle für Klärung sorgen ...

Beim Stichwort "New Hollywood" wird vermutlich kaum der Name Michael Ritchie fallen. In den sechziger Jahren war der Regisseur für TV-Produktionen aktiv, sein kerniger Gangsterthriller "Prime Cut" fand leider kaum Beachtung. Immerhin konnte Ritchie später diverse Erfolge verbuchen, als Beispiele möchte ich "Die Bären sind los" (1976) und "Fletch - Der Troublemaker" (1985) anführen. "Prime Cut" ist kein Werk feiner Zwischentöne, zielstrebig schreitet der Plot vorwärts, alle relevanten Charaktere sind klar umrissen, Tiefgang oder Überraschungen stehen nicht auf der Speisekarte. Gewaltdarstellungen geraten nie allzu ausufernd, Stärke des Streifens ist die stets bedrohliche und aufgeladene Atmosphäre. Hier und da bleibt Raum für prächtige Bilder, in dieser Hinsicht punkten vor allem atemlose Momente im Kornfeld, in der ein fetter Hinterwäldler Marvin und Spacek per Mähdrescher ans Fell will, Alfred Hitchcock lässt grüßen. Später hauen sich die Gegenspieler inmitten malerischer Sonnenblumenfelder heißes Blei um die Ohren, wohl eine Verneigung vor dem "Sunflower State" Kansas.

Lee Marvin und Gene Hackman prallen mit aller Wucht aufeinander. Marvin zeigt uns Nick Devlin als Ganoven mit Anstand, ohne Zögerlichkeit befreit er gewissermaßen Jungfrau Poppy aus den Krallen teuflischer Bestien. Sissy Spacek dankt es ihrem Retter mit Aufmerksamkeit und Zuneigung. Allerdings bewegt sich die Beziehnung zwischen Poppy und Nick überwiegend auf einer "Vater-Tochter-Ebene", obschon der ältere Herr die Bewunderung sichtlich genießt, sich an der erfrischenden Unverdorbenheit seines Schützlings labt. Zurück zum Duell Marvin vs. Hackman. Während Nick noch immer ein großes Herz im Leib trägt, kommt Hackman als Mary Ann -was für ein Name für einen knallharten Schwerverbrecher- wie das bellende Konzentrat des Bösen daher. Unbequeme Gauner zu beseitigen mag in seinen Kreisen normal sein, hemmungsloser Menschenhandel und Drogenvertrieb sind ein anderer Sport, Sport für den Nick keinerlei Toleranz aufbringt. Folglich bieten Originalton und deutsche Synchronisation etliche Grobheiten auf, vor allem Mary Ann erweist sich Freund harscher Worte. Marvin, Hackman und Spacek spielen großartig, ich möchte einige Nebendarsteller dennoch kurz würdigen. Im Angebot habe ich Gregory Walcott, er stellt Wennie dar, Mary Anns Bruder. Weenie gibt sich nicht minder menschenverachtend, indes fehlt ihm der abgebrühte Verstand seines Bruders, dient er als Metzergeselle des Grauens dem Unheil. Angel Tompkins fällt der Part ruchloses Flittchen zu, typische Gangsterbraut, freilich war sie vor Mary Ann mit Nick Devlin zusammen, würde den Hengst gern erneut wechseln. Janit Baldwin sehen wir als Violet, Poppys beste Freundin muß als Spielplatz für Wennies Perversionen herhalten. Lee Marvins Begleiter bleiben unscheinbar, der Chef schultert das Unternehmen sowieso.

Starkes Ensemble, stimmungsvolles (und stilsicher eingefangenes) Umfeld, gut dosierte Mischung aus rohen Dialogen, Spannung, Action und Gewalt. Mich hat die gradlinige Marschrichtung nicht gestört, Michael Ritchie inszeniert punktgenau, seine Darsteller füllen ihre Schablonen mit Leben auf, geben Klischees neue Kraft.

explosive media präsentiert "Prime Cut" auf einer guten DVD, ungekürzt und in ansprechender Qualität. Im Bonusbereich findet der Filmfreund Trailer und Bildergalerie. Wenn es einen Schwachpunkt gibt, dann das etwas einfallslos gestaltete Cover. Leider ziert das Motiv nicht nur den Schuber, sondern auch Cover und Wendecover der DVD-Hülle. Ferner liegt ein Booklet mit Anmerkungen von Markus Tschiedert bei. Tschiedert schreibt kurzweilig und gehaltvoll, ich möchte daher mit einem Zitat schließen: "Dennoch ist "Prime Cut" ein knallharter Gangsterfilm mit einem stets sarkastischen Unterton, ein Zeugnis seiner Zeit, als in Hollywood für kurze Zeit eine kreative Kraft und Euphorie herrschte."

7,5/10 (gut bis sehr gut) Klarer Kauftipp!


Lieblingszitat:

"Weißt Du was Chicago ist? Chicago ist 'ne alte kranke Sau! Sie vegetiert nur noch so vor sich hin und erstickt im eigenen Mist!"
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BeitragVerfasst: 13.08.2013 11:25 
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• Geschichten aus der Gruft (Großbritannien, USA 1972) - Zu "Tales from the Crypt" habe ich bereits einen kleinen Beitrag geschrieben, damals nach Sichtung der DVD aus Großbritannien. Inzwischen wurde der Film von Anolis für den deutschsprachigen Markt ausgewertet, das Set enthält eine DVD und eine BD. Zu beachten ist die unterschiedliche Ausstattung der beiligenden Scheiben, bei mir war vergangene Nacht die BD im Player, mit deren Qualität ich durchaus zufrieden bin. Fans haben nun offiziellen Zugriff auf die deutschen Fassungen (TV-Synchro nur auf DVD), diverse Extras -inklusive Booklet- sorgen für zusätzliche Freude. Empfehlung!

An meiner Begeisterung für Cushing, Collins und Co. hat sich nichts geändert, erneut ziehe ich dicke 8/10 (sehr gut)!



• Auf den Schwingen des Todes (USA 1986) - Mickey Rourke als IRA-Terrorist der austeigen will, Bob Hoskins möchte das verlorene Schäfchen retten, Liam Neeson soll den alten Kameraden auf Kurs bringen, Alan Bates gibt den schmierigen Ganoven. Starkes Ensemble, der vorhersehbare Plot hat mich bei diesem Streifen noch nie gestört. Mehr Drama als Thriller oder gar Action, erwartet bitte keine atemlose Spannung oder wüstes Geballer. Koch Media hält den Streifen auf DVD und BD bereit. Ich habe zur BD gegriffen, solide Qualität zum fairen Preis.

8/10 (sehr gut)
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