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BeitragVerfasst: 20.11.2011 17:00 
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Mars hat geschrieben:
Ich habe das Buch verlegt, das ich lesen wollte, Mist! Es war mir vor ein paar Monaten zu deprimierend, jetzt will ich es und es ist irgendwie futsch! Wie kann das nur passieren!?


Ist es wieder aufgetaucht mittlerweile?

Ich habe Chronic City beendet und nach Monaten ein anderes Buch begonnen und dann gleich gestern in einem Rutsch durchgelesen:

Bild

Julian Barnes - The Sense of an Ending
Der aktuelle Man Booker Prize-Gewinner, leider noch nicht ins Deutsche übersetzt (musste auch mit Volldampf nacchgedruckt werden, als Barnes den Preis (endlich mal) gewonnen hat.
Absolut großartige Novelle: Ein ca. 60jähriger Mann erzählt von seiner Schulzeit, wie er seine drei besten Freunde kennenlernte, wie er eine Beziehung anfing, diese dann im Nichts endete, nur, dass einer seine Freunde plötzlich eine Beziehung mit seiner Ex anfing. Leicht verletzt und vorgegeben cool ignoriert er beide, seine Freundschaft zu den damals besten Freunden zerfallen ebenfalls ("Das Leben kam dazwischen."), er heiratete, bekam ein Kind, dann eine Scheidung und das war's. Das alles ist toll erzählt. Humorvoll, nachdenklich, und immer darüber sinnierend, wie sehr er auf sein Erinnerungsvermögen angewiesen ist. So endet der erste Teil des Buches.
Teil zwei beginnt nun, wie der Erzähler einen Brief bekommt von einem Anwalt. Und der Inhalt zwingt ihn, seine gerade erzählte Geschichte noch einmal zu erzählen. Nur dabei fallen ihm auf einmal mehrere Details ein. Einige Dinge geschahen sogar anders, als er es vorher erzählte. Und schon bald stellt sich heraus, dass der Erzähler, der zuerst als armes Opfer und bemitleidenswertes Individuum anzusehen war, in Wirklichkeit nicht nur teilweise selber Schuld am Lauf der Dinge war, sondern auch noch für eine sehr tragische Entwicklung in seinem Freundeskreis.
Abgesehen von der Geschichte, die schon ein wenig ans Herz gehen kann, mochte ich den leichten Homo faber-Charakter des Buches. Der Ich-Erzähler ist sich immer der Schwäche von Erinnerungen als Quelle bewusst, versucht so also mit allen möglichen Interpretationen und Briefen etc, wie ein Historiker die persönliche Geschichte zu interpretieren. Umso erstaunlicher ist es, dass er sich einfach nicht eingestehen will, dass das nicht klappen kann, so dass er erst ganz zum Schluss das ganze Ausmaß seiner Jugend versteht. ("You never understood anything. You don't do now, and you never will!")
Barnes, den ich eigentlich sehr mochte, hat hin und wieder die Eigenschaft, zu verkrampft intellektuell zu wirken mit seiner Wortwahl. Deshalb habe ich irgendwann seine Geschichten nicht mehr gekauft und gelesen. Dieses Buch war ein Geburtstagsgeschenk und so habe ich gestern mit Skepsis angefangen, dann aber mit Begeisterung durchgelesen. Das beste Buch 2011 definitiv und ein wundervoller Samstag für mich.


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BeitragVerfasst: 20.11.2011 23:39 
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Wer sich mit jüngster deutscher Geschichte beschäftigen will und mal einen Blick hinter Dinge wie Stuttgart 21, das Oktoberfestattentat oder die Machenschaften der Pharmaindustrie oder der Rüstungsindustrie werfen will, dem seien die gut recherchierten, mit vielen Passagen aus dem realen Leben gespickten Krimis von Wolfgang Schorlau empfohlen. Protagonist ist ein ehemaliger BKA-Zielfahnder, der den Job and en Nagel gehängt hat und nun als Privatermittler arbeitet. Der Autor gibt im Anhang immer Quellen und Recherchetipps und beschreibt, was ihm noch so wiederfahren ist im Zuge des Verfassens des Buchs. Ich finde diese Krimis - wie meist eher nur die skandinavischen von Mankell oder Sjöwall / Wahlöö - einen prima Spiegel und eine spannende Art, gesellschaftskritische Werke in leicht verständlicher Sprache einer breiten Masse zugänglich zu machen.
Es gibt kein Fleisch von glücklichen Tieren. Nur von toten. (Karen Duve)

Es ist nicht Deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist, es ist nur Deine Schuld, wenn sie so bleibt... (Die Ärzte)

Es ist das Zeitalter der Dummen. Wir bereiten den kollektiven Selbstmord vor. (Mohamed Nasheed)


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BeitragVerfasst: 28.11.2011 19:15 
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Das Buch ist noch nicht wieder aufgetaucht! :-/ Aber ich bin grad umgezogen, vielleicht taucht es wieder auf!
Dafür lese ich grad einige Bücher über Philosophie, das ist eine Lücke in meinem Wissen, die in der Schule zum Beispiel gar nicht ausfüllbar war, da das Fach nicht angeboten wurde!


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BeitragVerfasst: 27.06.2012 09:51 
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Hab ein paar nette Sachen gelesen wie beispielsweise Roths Nemesis, Roches Feuchtgebiete (^^), und Neil Pearts Far and Away. Und aus Langeweile habe ich mal zu dem Buch gegriffen, welches ich mir vor Jahren gekauft habe, nachdem ich den Film das erste Mal gesehen habe: Mario Puzos Der Pate.... und hui, geht's da ab. Kann sich Frau Roche eine Scheibe von abschneiden :o .


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BeitragVerfasst: 25.03.2014 00:15 
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A Kind Of Magic
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Der letzte Eintrag ist fast 2 Jahre her. Liest hier niemand mehr?? :shock:

Ich habe heute David Safiers "28 Tage lang" beendet. Einige kennen Safier vielleicht als Autor eher humoristischer Romane, doch dieses Buch greift ein sehr ernstes Thema auf.
Es geht um Mira, ein 16-jähriges jüdisches Mädchen, das im Warschauer Ghetto lebt. Um ihre Familie durchzubringen, schmuggelt sie Lebensmittel und riskiert tagtäglich ihr Leben. Als sie erfährt, dass die SS plant, die Ghettobevölkerung in Konzentrationslager umzusiedeln und dort zu töten, schließt sie sich dem Widerstand an, dem es gelingt, sich 28 Tage lang zu widersetzen.
Die Frage, die sich Mira und sicher auch der eine oder andere Leser immer wieder stellt, lautet: Was für ein Mensch will ich sein? Jemand, der überlebt oder jemand, der anderen hilft zu überleben?

Meiner Meinung nach ein sehr sehr lesenswertes Buch. Das Thema ist nicht neu, viele möchten vielleicht nichts mehr dazu lesen, aber ich kann nur sagen: Tut es trotzdem! Für mich ein ganz großartiges Buch, mit realistisch dargestellten und agierenden Figuren, fern vom typischen und überstrapazierten "Schwarz" und "Weiß", "Gut" und "Böse", "Richtig" und Falsch".

Gerade habe ich mit Paul Austers "Sunset Park" begonnen. Aber dazu kann ich noch nichts sagen. Vielleicht melde ich mich hier in Kürze mit einem Statement zurück :o


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BeitragVerfasst: 25.03.2014 10:31 
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MissFahrenheit hat geschrieben:
Der letzte Eintrag ist fast 2 Jahre her. Liest hier niemand mehr?? :shock:


Doch - aber vermutlich haben wir bei so einer gebildeten Leserin, die auch noch vom Fach ist, alle nur Angst zuzugeben, dass sich die Lektüre auf BILD, Playboy und ADAC motorwelt beschränkt :mrgreen:

Im Ernst: Ich lese viel ZEITung und ansonsten abends derzeit meist eher Bassnoten, muss ich ehrlich zugeben. Und am Wochenende eher so Sachen wie das Sams (derzeit). Mika kann nämlich noch nicht lesen und will dann immer einen gemütlichen Vorlesetag mit Papa :mrgreen:
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BeitragVerfasst: 31.01.2015 23:11 
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John Cleese-Biographie :thumb .
Muss mich jetzt an den aktuellen Man Booker-Prize Gewinner wagen. Richard Flanagans Narrow Road to the Deep North. Kennt das zufällig jemand?


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BeitragVerfasst: 22.03.2015 22:26 
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Ab sofort ich einer von geschätzt fünf Männern, die zugeben, Fifty Shades of Grey gelesen zu haben. (Naja, den ersten Band; Reicht mir, ist Müll... on with the show.)


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BeitragVerfasst: 28.03.2015 14:14 
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Siri Hustvedts The Blazing World ist aktuell das Gegenprogramm zu Shades of Grey. Ein Feminismus-Manifest, bei dem schon nach 2 Seiten klar wird, dass die Autorin gefühlt einen 500% größeren Wortschatz als E L James zu bieten hat :lol: . Bisschen sehr auf wissenschaftlich gemacht Einen Großteil der genannten Künstler und Philosophien sagt mir kaum was, aber ich mag das Buch. Erzählt wird die Geschichte einer Künstlerin, die der Kunstwelt vorwirft, frauenfeindlich zu sein. Sie selber hatte kaum Erfolge mit ihren Ausstellungen und die Presse verwies nur auf ihren erfolgreichen Mann, ein Kunsthändler. In einem geheimen Projekt ließ sie drei Ausstellungen von ihr von drei verschiedenen Männern aufführen. Alle drei Ausstellungen wurden gefeiert. Die Aussteller und Presse müssen sich nach der Lüftung des Projekts rechtfertigen, dass es irrelevant war, dass die angegebenen Künstler Männer waren.
Erzählt wird die Geschichte als eine Art wissenschaftliche Aufarbeitung. Die Künstlerin ist verstorben, ein Wissenschaftler (oder Wissenschaftlerin, die Erzähler-Person bleibt bewusst geschlechtslos) bietet Interviews, Tagebucheinträge etc an, um die verworrene Geschichte dem Leser klarzumachen. Sehr cooler Ansatz, wie gesagt, hin und wieder etwas anstrengend wegen der vielen Namen und wissenschaftlichen Herangehensweise (was ein Stilmittel ist, aber nerven kann), aber noch habe ich das Gefühl, dass es wert ist, gelesen zu werden.


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